BjoernSunshine
Zombiedrogen bis Massenpanik - Journalismus auf dem Tiefpunkt
Jedes Jahr zur Street Parade stehen die Journalisten vor dem Problem, über ein Phänomen berichten zu müssen, von dem sie nicht die geringste Ahnung haben. Dazu kommt das Sommerloch mit viel zu wenig Kriegen, Verbrechen und Schreckensmeldungen. Also interpretiert man alles in die Street Parade.
20 Minuten macht im Vorfeld Panik vor einer neuen Zombie-Droge, unter deren Einfluss harmlose Menschen plötzlich über andere herfallen und ihnen das Gesicht wegbeissen. "Badesalz" oder Mephedron ist in der Schweiz noch ziemlich unbekannt, wurde aber international schon an vielen Partys gesehen. Nur Zombies sind uns dort noch nie begegnet.
Leute, die zu Paranoia neigen oder unverarbeitete Ängste mit sich herumschleppen, sollten grundsätzlich die Finger von allen psychoaktiven Drogen lassen. Und der liebe Staat sollte sich mal wieder ins Bewusstsein rufen, dass kein Mensch risikohafte Research-Chemicals konsumieren würde, wenn das "gute alte" MDMA nicht verboten und in reiner Form nur schwer erhältlich wäre.
Doch zur Street Parade hat die Skandalpresse das Thema Drogen fest gebucht. Und wenn schon keiner skandalträchtig am normalen Ecstasy sterben will, dann müssen eben die Zombies herhalten, um den Bünzlis den unbeliebten Technoevent horrormässig darstellen zu können.
Der Tagesanzeiger schürte die Angst vor der Massenpanik und berichtete Seitenweise über Berechnungen zu Personendichten und Handy-Apps, die einen davor schützen sollen. Wir waren auf der Quaibrücke und das Gedränge war absolut harmlos. Nur dass jeder zweite einen Rucksack trug, war etwas nervig. Mit nackter Haut könnte man viel schöner kuscheln.
Dann kam noch der Horror vor nackten Menschen. Da soll doch tatsächlich einer nur im Cockring auf der Brücke gesichtet worden sein. Undenkbar, was passiert wäre, hätte ihn ein Kind gesehen. Psychiatrische Behandlung für das arme Kind auf Lebenszeit wahrscheinlich. Und stellt euch vor, der Typ war auch noch alt und übergewichtig. Skandal, skandal! Und dass es niemand für nötig hielt, deshalb die Polizei zu rufen, können die Journis erst recht nicht begreifen. Was kann man nur gegen diese plötzlich aufkommende Toleranz in der Bevölkerung tun?
Bald ist in Zürich wieder Sechseläuten, Seenachtsfest oder Knabenschiessen. Und da darf wieder gesoffen, gekotzt und randaliert werden, was das Zeug hält. Und die Zeitungen sehen alles positiv, schreiben über Tradition und Festfreude und sparen sich die Skandale für die nächste Street Parade auf.







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