GAY SCHWEIZ

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21.06.2012

BjoernSunshine

LGBTI..XYZ???

Früher schrieb man im Deutschen "man" und meinte damit alle Menschen. Dann kam die Emanzipation und man/frau musste überall /-in oder In/Innen anbasteln, bis niemand mehr was lesen konnte.

Früher hiessen die CSDs einfach Gay Pride. Dann erfand jemand die Abkürzung GLBT. Neuerdings heisst die Gay Pride nur noch Pride, weil sich die Lesben, Transgender usw. sonst diskriminiert vorkommen. Und statt GLBT schreibt man LGBTI... Mal ehrlich: kein Hetero kann sich diesen Mist noch merken. Im Radio fragte sogar einer, ob das Zurich Bride Festival eine Art Brautschau wäre?

Statt mit kryptischen Abkürzungen um sich zu werfen, würde sich die Pride lieber ganz allgemein für Toleranz und gegen Diskriminierung jeglicher sexueller Lebensarten einsetzen.

18.06.2012

BjoernSunshine

So war das Zurich Pride Festival

Fast 30°C und Sonnenschein pur - so schönes Wetter hatte die Zurich Pride schon lange nicht mehr. Am Vorabend dauerte es deshalb wohl etwas länger bis die Gays den Weg von der grünen Werdinseliwiese auf den betongrauen Turbinenplatz fanden. Gegen Abend füllten sich dann der Platz und die Becher mit Bier und Champagner.

Mein etwas provokativer Newsletter ("Wer kommt nackt an die Parade?") hatte das Pridekommitee wohl in Angst und Schrecken versetzt. Jedenfalls sah sich die Moderation genötigt, die Umzugsteilnehmer dazu aufzurufen, doch bitte nicht nackt an der Parade zu erscheinen. Als ob dieser Hinweis im prüden Zürich überhaupt nötig wäre - wir zählten am Freitagabend trotz tropischer Temperaturen gerade mal 4 Jungs ohne T-Shirt auf dem Festplatz, mich selbst und den Gogo-Tänzer der Parrots-Bar mitgezählt.

Samstag:
Der Umzug startete nach einer etwas leisen Ansprache am Helvetiaplatz, wo sich noch kurz einige religiöse Fanatiker mit schweinischen Antigay-Transparenten in Szene setzten. Da Partyveranstalter und Gayclubs auf der Teilnehmerliste fehlten, hatten wir schon einen Schweigemarsch befürchtet, doch die grösste Schweizer Bank, die UBS, hatte ihr knappes Eigenkapital zusammen gekratzt, um dem Verein ihrer schwulen Mitarbeiter, Pride @ UBS, einen grossen Wagen mit DJ zu bescheren. Da hat sich die Bankenrettung also doch gelohnt! Den besten Sound der Parade, für meinen Geschmack, legten die DJs von Checkpoint auf. Nur leider stieg auf halber Strecke der Verstärker aus.

Richtig kreative Kostüme sah man nur wenig. Zwei Drag Queens auf hohen Stelzen warben für die Wonderworld-Party, zwei Reiter hoch zu Ross präsentierten wohl die schwule Zunft, die das Sechseläuten verpasst hatte, die farbigen 4 vom lezten Jahr waren jetzt zu fünft, die Vereine trugen ihre Vereins-T-Shirts oder Poloshirts, und zu nackter Haut hatte man ja bereits verkündet: "Das wollen wir nicht sehen!". Der Presse war das Ganze wohl doch etwas zu brav: Im Tagesanzeiger von heute wurde das Pride Festival nur kurz in einer Randnotiz auf Seite 23 erwähnt, ohne Bild.

Festplatz:
Auf dem Turbinenplatz herrschte Bier- und Bratwurststimmung. Die Regenbogenfahnen verkauften sich weniger gut. Komischerweise wollten mir dauernd irgendwelche Leute unters Röckchen gucken, obwohl wir ja inzwischen wissen, dass niemand in Zürich Schwänze sehen will.

Bundesrätin Simonetta Sommeruga begeisterte das Publikum mit einer schönen Rede, in der sie versprach, sich dafür einzusetzen, dass der Gleichstellung im Gesetz auch die Gleichstellung in der Realität folgen soll.

Am Abend brachte ein DJ, ich glaube, es war Jam Janiro, richtig gute Stimmung auf den Festivalplatz. Jammerschade, dass er nach 45 Minuten schon wieder aufhören und die Bühne einer Moderatorin überlassen musste, die nun für eine Tombola endlos lange über die Lautsprecher Handy telefonierte, etwa so wie bei Astro-TV, nur dass man keine Fernbedienung hat, um weiter zu zappen. Der Sänger danach brachte Weichspülmusik im rosaroten Anzug. Naja, die Jugend steht halt auf so was. Ich fand die wilden Lesbenrocker vom Freitag viel besser.

Da mehrere offizielle Pridepartys angesagt waren, wollte ich eigentlich eine grössere Fototour machen. Leider beraubte mich ein Missverständnis für einige Zeit meiner Ausrüstung, und so kam ich nach ziemlichem Stress und Gerenne, schwarzfahrend in geliehenen Klamotten und ohne Presseausweis nur an eine einzige Party:

Wonderworld:
Ich war erst einmal im X-tra - vor 20 Jahren als Helfer für eine Technoparty. Seither kannte ich den Club nur aus Zeitungsberichten über komasaufende Teenager. Umsomehr beeindruckte mich die Wonderworld-Party von Flexx und Selection. Ein tolles Event-Lokal mit einer riesigen Halle, gutem Sound- und Lightsystem, sehr schön dekoriert. An Shows bekam man viel geboten. Der Live Violinist Dylan Naylor war echt der Hammer und die DJs begeisterten ebenso. Da der zweite und dritte Dancefloor gleichzeitig als Fumoirs dienen, hielt ich es als Nichtraucher in der dicken Luft nicht lange aus, obwohl mir der Sound auch dort ganz gut gefallen hätte.

Die Wonderworld-Afterhour im Bagatelle 93 sollte dann die Krönung des Abends (bzw. Morgens) werden. Wow! Ein Grosses Kompliment an die Jungs von Flexx und Selection und auch an das Team vom Bagatelle, das der schwulen Party viel Toleranz und Freundlichkeit entgegen bringt!

Die Bilder vom Zurich Pride Festival 2012

16.06.2012

athleticguy

dumm gelaufen

Diese zwei besorgten Herren (beides Gäste aus Deutschland) haben sich die Mühe gemacht, ein Transparent gegen die Pride zu entrollen (mit Worten darauf, die aus dem Fäkalbereich kommen). Dumm nur, dass Ihnen kecke Jungs unter Aplaus das Ding sogleich entrissen haben.
Jetzt stehen sie verwirrt und ratlos mit der leeren Stange da. Der Herr in blau meinte dann auch noch, die Leute hier wären ja so intolerant. Tja, wahrlich dumm gelaufen. ..

15.06.2012

pressetext

Zurich Pride Festival - Programmübersicht

(zhpf) Am Freitag, 15. Juni 2012 eröffnet das Zurich Pride Festival das Open Air Gelände auf dem Turbinenplatz. Im nachfolgenden erhalten Sie alle wichtigen Termine und Highlights im Überblick.

Programmübersicht | Freitag, 15. Juni 2012
Das Moderatoren-Trio bestehend aus Alf Heller, Jolanda Orlando und Luca Papini werden am Freitag, 15. Juni 2012 um 17:00 Uhr die anwesenden Festivalbesucher begrüssen und damit die Bühne freigeben für zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus dem in- und Ausland. Es treten auf: Die Schweizer DJ?s Wollana und Luca Papini Jr., Der Schweizer DJ Beatween, Die Schweizer Sängerin Jill Wick, die kanadische Band Hunter Valentine, der Schweizer DJ Leon Klein, das amerikanisch-belgische Duo Official und das Deutsch / Schweizer Duo Electric & Acoustic by Sam and Eddy G.. Zwischendurch werden die Projekte ?Open Artist Movement?, ?It gets better? und ?The Trevor Project? vorgestellt, die vom Festival unterstützt werden.
Ab 23:00 Uhr laden ein Zusammenschluss von diversen Gay-Party-Labels in den Klub EXIL zur Party ?WE ARE ZURICH?. Diese Kooperation ist einzigartig und die Party ebenfalls. Es erwartet die Gäste eine unvergessene Partynacht, die bis in den frühen Morgen des Pride-Samstag dauern dürfte. Ebenfalls lädt die Internetcommunity Purplemoon zu ihrer Party ?Zurich Pride Edition? in die Alte Kaserne Zürich ein.

Programmübersicht | Samstag, 16. Juni 2012
Der Samstag steht ganz im Zeichen der politischen Demonstration. Bereits um 13:00 Uhr startet das Warm-Up auf dem Helvetiaplatz. Bereits um 13:50 Uhr tritt die Präsidentin des Verein Zurich Pride Festival Nathalie Schaltegger an die Mikrofone für ihre Eröffnungsansprache zur Demonstration. Gegen 14:00 Uhr folgt die politische Ansprache der designierten Geschäftsführerin von Pinkcross Alicia Parel, die um ca. 14:15 Uhr der Gastrednerin Kasha J. Nabagesera aus Uganda das Podium überlässt. Frau Nabagesera ist Gast der Gruppe Queeramnesty Zürich und wird gemeinsam mit der Präsidentin Nathalie Schaltegger das rote Band um 14:30 Uhr durchschneiden und damit den Weg freigeben für eine farbenfrohe, vielfältige Demonstration unter dem Motto ?Welcome to Reality?.
Bereits während der Demonstration startet das Programm auf der Hauptbühne des Turbinenplatzes wieder. Es erwartet die ankommenden Teilnehmer der Demonstration mit einem abwechslungsreichen Showprogramm.
Dies gestalten der australischen DJ Alan T. der Schweizer DJ Mäx Varano, das Schweizer DJ Duo The Dramaqueens, der Schweizer Sänger Ivan Modoni, die amerikanische Künstlerin MEG, das britische Duo Booty Luv, der Schweizer DJ Jam Janiro, der italienische Künstler Fiorious feat. Scoula Furano, sowie der Schweizer DJ Juiceppe mit dem amerikanisch-belgischen Duo Official, die den offiziellen Zurich Pride Song 2012 live auf der Hauptbühne performen werden. Im Programm wird es auch eine Überraschung geben mit dem Titel ?Zurich Pride pays tribute to...?. Hierbei werden junge Schweizer Künstlerinnen und Künstler, Titel von verstorbenen Musikgrössen zum Besten geben und so an sie gedenken. Ebenfalls werden wieder die vom Festival unterstützten Projekte ?Open Artist Movement?, ?It gets better? und ?The Trevor Project? vorgestellt.
Wenn um 23.00 Uhr das Bühnenprogramm endet, ist das Festival noch nicht vorbei. Zahlreiche Kooperationen mit Schweizer Partyveranstaltern konnten geschlossen werden und bieten den Gästen des Zurich Pride Festival ein vielfältige Auswahl an Parties. Im X-tra begrüsst die Wonderworld auf mehreren Floors die Besucher, der EscherWyss Club beherbergt Jungle & Circuit ? The Pride Party, SEXY attacks Queer Beats in der Alten Kaserne, im Club Aubrey heisst es Come together, die 30 + Party und in der Pfingstweide startet das Label RIDE. Es gibt auch eine reine Frauenparty mit Star-DJ Tatana an den Turntables. Die Pride Ladies Night im Acanto.
Wenn diese Parties enden, dann graut schon der Morgen und die Vögel zwitschern. Wer noch nicht genug hat, kann zur offiziellen After Hour Party ins Bagatelle§93 auf der Langstrasse einkehren, die vom Label Wonderworld präsentiert wird.

Programmübersicht | Sonntag, 17. Juni 2012
Der letzte Tag der Zürcher Pride-Saison wird ruhig begangen. Die After Hour Party Wonderworld schliesst am Mittag die Tore und es gibt noch zwei Angebote.
Der traditionelle Sonntagsbrunch unter der Organisation der Homosexuellen Arbeitsgruppe Zürich findet im Restaurant Zeughaushof (Kanonengasse 20) statt. Um 10:00 Uhr geht es los bis um 14:00 Uhr.
Den Abschluss bildet dann ebenfalls eine langjährige Tradition. Der ökumenische Gottesdienst in der Kirche St. Peter und Paul an der Birmensdorferstrasse / Werdgässchen öffnet seine Türen um 14:00 Uhr. Im Anschluss sind alle TeilnehmerInnen noch zu einem Apéro eingeladen.

Weitere Informationen stehen auf der Webseite www.zurichpridefestival.ch zur Verfügung.

06.06.2012

BjoernSunshine

Zurich Pride - Demo statt Parade

Am 16.6. steht das Zurich Pride Festival auf dem Programm. Nun wurde auch die Teilnehmerliste der Parade veröffentlicht. Ich war gespannt zu sehen, welche Gruppen mit Trucks und DJs dabei sein werden. Doch leider fehlen die Namen der grossen Partyveranstalter. Wonderworld (Flexx+Selection, Gruppe 9) sind dabei, jedoch auch nur als Fusstruppe ohne Soundanlage. Wer alternativen Sound mag, könnte bei Offstream (Gruppe 31) auf seine Kosten kommen. Wer sonst noch Musik bringt, war nicht in Erfahrung zu bringen. 2011 hatte das Pride-OK selbst einen Truck mit DJ, aber der spielte nur Mainstream Radio Charts und brachte keine Stimmung auf die Strasse. Kein Vergleich zu früheren Jahren mit den Trucks von Laby, Flexx oder Loop38.

Auf der ZHPF-Homepage fällt auf, dass die Seite zum Umzug nicht mehr "Parade" sondern "Demo" heisst. Im Text steht, "man erwartet tausende Personen zu einer politischen Manifestation", aber von "Pride" (dt. Stolz) ist nichts mehr zu spüren - freudestrahlende Bilder muss man irgendwo im Untermenü suchen. Homoerotik sucht man auf der ganzen Pride-Homepage vergeblich. Die ganze Kommunikation ist nüchtern und trocken wie die Einladung zu einem Businessmeeting. Worauf sollen wir eigentlich stolz sein? Stolz auf die erfolgreiche Assimilation ins Bünzlileben?

Sicher haben wir politische Ziele. Noch immer werden Gays verfolgt und diskriminiert. Dafür müssen wir weiter kämpfen. Aber eine Gay Pride Parade ohne schrille Drag Queens, ohne knackige Gogo-Boys, ohne geilen Sound und extatische Tänzer ist einfach keine Gay Pride. Es geht nicht nur um Masse sondern auch um Klasse. Da gab es in Zürich CSDs mit weniger als 10'000 Leuten, aber alle hatten ein Riesenfest und die Leute am Strassenrand waren begeistert. Letztes Jahr waren wir angeblich mehr als 20'000, aber 95% latschten nur gelangweilt in Alltagsklamotten die Strecke ab. Die Fotografen knipsten alle 100x die gleichen 4 Leute.

Beim Pride-OK sagt man, man könne auch nichts dafür, dass die Veranstalter nicht mehr mitmachen. Aber bemüht man sich wirklich um eine bunte, ausgeflippte Parade? Das Problem des schwulen Identitätsverlusts, der schleichenden Asexualisierung der schwulen Partyszene wird vom Pride-Kommitee weder thematisiert noch wahrgenommen. Offenbar verlangt man von den offiziellen Pridepartys eine VIP-Area (gem. Aussage von Wonderworld). Man könnte ja auch Darkrooms und sexuelle Freiheit fordern, aber dem Vorstand und den teuren Sponsoren stehen Cüplis halt näher als Schwänze.

Wenn ich euch nun alle aufrufe: Kommt bunt, sexy und ausgeflippt an die Parade! Steht ein für Vielfalt, Toleranz und sexuelle Freiheit! Kommt ihr dann wirklich? Macht ihr mit und zeigt euch bunt und crazy? Oder denkt ihr nur, Freiheit wäre zwar ganz nett, aber ich will mich ja nicht exponieren, nicht auffallen und um Gottes Willen niemanden von seinem grauen Alltag ablenken.

Ich weiss auch nicht mehr, was ich tun soll. Eigentlich würde ich am liebsten bunt bemalt oder sogar nackt durch die Stadt tanzen, um Zürich zu zeigen, wie wunderbar Pluralität, Sexualität und Lebensfreude sein kann. Aber so wie es aussieht, macht ja wieder keiner mit, und als ewiger Einzelkämpfer kann man sich in dieser Welt leider nur Problem schaffen, aber kaum etwas bewegen... Seufz...

 

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