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09.06.2017

BjoernSunshine

Zurich Pride: Titten, Bärte und eine tolle Parade

Endlich hat die Zurich Pride einmal Wetterglück. Strahlender Sonnenschein, ich barfuss und voller Vorfreude auf Tanzen im Gras, aber auf dem Rasen liegt ein Bretterboden und drüber steht ein grosses Zelt. Egal, es ist Freitag, ich bin gut drauf und die Band auf der Bühne macht richtig gute Musik. Doch dann hört die Musik auf und der Lautsprecher sagt, es sei nur ein Soundcheck gewesen. Trotzdem toll. Endlich mal eine Band, die zum Soundcheck singt, statt nur 1-2-3 zu sagen!

Die Moderatoren erscheinen auf der Bühne und rufen "Are you all Social Media addicted?" - Ich schreie "No!", doch das interessiert im Handyzeitalter kein Schwein. Während die Teenies ihr Smartphone streicheln, ziehe ich mein T-Shirt aus und schlendere um die Zelte, wo mir eine nette Lesbe ein tolles Regenbogen-Bodypainting verpasst. Dann geht der Sound richtig los. Die Band heisst Yokko und rockt, doch leider verstecken alle vier Typen ihre Schönheit unter Bärten. Alle andern Gays auf dem Festplatz tragen ebenfalls Bärte. Und T-Shirts. Für einen Moment glaube ich einen ohne Bart gesehen zu haben, aber dann merke ich, es war eine Lesbe. Scheisse. Morgen ist Umzug und ich brauche, um schwul auszusehen, dringend einen Bart. Bei Monty Pythons Life of Brian gabs an der Steinigung doch immer Bartverkäufer. Ich schaue mich um. Da! Neben der Bretterbühne steht ein Verkaufsstand für Ballons und ganz oben schweben die modernen Symbole der Gay-Community: Goldene Halbmonde. Man kennt die Dinger aus der Türkei. Immer wenn im muslimischen Raum Gaypride ist, hängen dort überall Halbmonde rum.

Passend zum Stichwort taucht mein türkischer Freund auf. Ich möchte ihm einen Halbmond kaufen, doch er lehnt dankend ab. Er hätte lieber einen Ballon mit Kreuz. Doch Kreuzballons hat der Verkäufer nicht. Bärte auch nicht und auch keine pinken Ballons in Schwanzform sondern nur Schlümpfe, Minions und anderen Kleinkinderkram.

Yokko rocken richtig gut und ich tanze vor der Bühne oben ohne. Nur ein Schwuler macht es ebenso. Alle andern behalten ihre T-Shirts an. Zu sehen gibt's ohne Bezahlung nichts. Nach einer Stunde ziehe auch ich trotz wunderbar lauer Sommernacht mein T-Shirt wieder an.
"Warum bist du so overdressed", frag mich prompt ein Typ.
"Wer Haut sehen will, muss zahlen", sage ich mürrisch. "Ihr gönnt mir ja auch nichts zu sehen."

An den Fressständen gibts Asiatisch, Italienisch oder was auch immer für 15 Fr. den Pappteller. Das Bier kostet 9 Fr. inkl. 2 Fr. Dosenpfand. Über der Bühne prangt die Werbung der UBS. Die Touristen schlucken zweimal leer. Ich leiste mir ein Bier und eine Lizenz zum Pissen für 5 Fr. Leider ist an der Pissparty noch nicht viel los.

Der Sound nach Yokko tönt in meinen Ohren grässlich. Dann kommt Culture Beat und die fand ich in den 90ern schon mässig, doch mangels Alternative klatsche ich mit. Der Hiphopper im silbernen Glanzjäckchen sieht genauso aus wie die Typen, die uns früher immer aus ihren BMWs homophobe Sprüche hinterher grölten. Egal. Es gibt ja auch Schwule, die auf Nazi-Look stehen - das darf man heute nicht mehr so eng sehen.

Nach Culture Beat kommt Derrick Barry. Ein Hetentraum par Excellence, die zwar nicht singen kann, aber umso mehr die Beine spreizt. Wirklich dumm, dass ich nicht auf Titten stehe, denn ausser heteroliken Bärten und weiblichen Reizen gabs bis jetzt an der Zurich Pride 2017 nicht das Geringste zu sehen. Die hetero-assimilierten Schwulen applaudieren trotzdem und ich hole mir noch ein letztes Bier, seufze tief und denke, es wird Zeit abzudanken, denn das, was hier geboten wird, hat mit meiner (antiquierten?) Vorstellung von einer Gay Pride so wenig zu tun, wie Fisch mit Vögeln.

Ich setze mich in die S-Bahn und als ich bei uns im Quartier am Café an der Ecke vorbei komme, tönt dort endlich geiler Sound. Ich tanze noch eine Runde mit den Nachbarn und denke: Fuck, morgen werde ich wieder hetero!


Samstag, Demonstrationsumzug:
Angesichts des strahlenden Sonnenscheins und des schon bereitliegenden Regenbogen-Outfits verschiebe ich das Heterowerden nochmal und fahre wieder nach Zürich zum Prideumzug. Treffpunkt ist der neu gestaltete Münsterhof mitten im Kreis 1. Direkt hinter der Bühne steht ein Brunnen und ich kann nicht widerstehen. "Ein junger Mann in regenbogenfarbenem Lendenschurz und mit Hawaii-Blumenkranz spielte im neuen grossen Brunnen mit dem bronzenen Wasserzulauf und kühlte sich ab, interessiert beobachtet von schwitzenden Männern in Latex-Kostümen." - Danke, liebe NZZ, für den Titel "junger Mann"!

Während ich plantsche, schwingen die Redner grosse Reden. Selbstverständlich klatsche ich auch. Aber eigentlich sind die Worte hier überflüssig. Denn alle, die da sind, sind sowieso pro-Gay und alle Skeptiker, die es hören sollten, sind eh nicht da. Man könnte genauso gut der Presse die Texte abgeben und stattdessen Musik machen, denn ehrlich gesagt, ob 5'000 kommen oder 20'000 entscheidet in unserer Konsumgesellschaft (leider) nur der Spassfaktor und nicht das Motto.

Da viele von euch vermutlich nicht dabei waren, sei hier jedoch angemerkt, dass das diesjährige Motto "no fear to be you" die Rechte der Flüchtlinge thematisiert, denn noch immer ist Homosexualität in Ländern, wo LGBT verfolgt werden, kein anerkannter Asylgrund. Ein grausamer Missstand für alle Betroffenen, aber leider auch ein schwieriges Thema, da Homosexualität oder auch Schein-Schwulsein kaum praktikabel nachprüfbar ist. Andererseits: sollte plötzlich halb Syrien behaupten, schwul zu sein, nur um so bei uns einen Asylgrund zu haben, wäre der Akzeptanz von LGBT auch ein grosser Dienst erwiesen.

Kurz nach zwei drehen die DJs den Sound auf und die Parade startet. Schon nach 100 Metern auf der Brücke zum Limmatquai ist uns klar: Das ist der beste Pride-Umzug seit 10 Jahren (oder seit der Europride 2009). Ich tanze um den grünen Wagen von #undetectable, wo DJ Bobby Bella fürs Bundesamt für Gesundheit einen hammermässig geilen Progitrance auflegt, den man in Zürichs Gassen wohl seit Ende des Labyrinth-Clubs nicht mehr gehört hat. Ein kleiner Unterschied fällt auf: Damals tanzten wir noch alle in schrillen Kostümen auf den Wagen der Clubs. Heute stehen oben auf den Wagen der Sponsoren nur Mitarbeiter in einfarbigen Werbe-T-Shirt und schauen durch den schmalen Spalt zwischen oberer und unterer Werbung hinaus. Da tanze ich doch viel lieber auf der Strasse und werbe dafür, dass es noch immer einige nicht kommerziell orientierte Exponenten der Gay Community gibt.

Die Tänzer auf der Strasse sind so bunt und ausgeflippt, wie seit langem nicht mehr. Nach etlichen Jahren Regenwetter hatte ich Zürichs traurigen Pride-Umzug fast schon aufgegeben, doch diesmal kam er in aller Pracht zurück, mit 19'000 Menschen, Sympathie, Kreativität, Erotik und Lebensfreude! Erstaunlich, was ein Sonnenstrahl* in Zürich bewirken kann! (*ähm, sorry, es war natürlich das Motto)

«Es ist wichtig zu zeigen, dass wir alle ganz normal sind», zitierte der TagesAnzeiger einen Umzugsteilnehmer. Hier widerspreche ich entschieden. Wir wollen nicht nur eine Akzeptanz der 08/15-Schwulen sondern eine Akzeptanz ALLER LGBTs, auch wenn sie nicht ins gängige Normalbild passen!

Neben BAG und UBS muss auch noch der Wagen der Helden Erwähnung finden. Die Heldenbar ist zur Zeit der einzige schwule Club, der keine Kosten und Mühe scheut, um an der Zurich Pride dabei zu sein und mit einem fantastischen Sound, besser als an der Street Parade, für Euphorie bei Fans und Bevölkerung zu sorgen. Dank Euch hat die Zurich Pride endlich wieder den Namen "Pride" verdient! Danke für den Einsatz und danke allen, die Freude unters Volk tragen und damit Akzeptanz für unsere Lebensart gewinnen!


Samstag, Festplatz
Was soll ich sagen, Musik ist Geschmacksache. Für mich war der Umzug das Highlight der Pride. Das Samstags-Programm auf dem Festplatz fand ich besser als das von Freitag aber immer noch recht flau. Man kann darüber geteilter Meinung sein oder man kann die Anzahl der Arme zählen, die das Publikum gegen Himmel streckt und vielleicht doch erkennen, wer Stimmung liefert und wer nur krumme Töne. Früher sagte ich immer, ihr müsst die Pride unterstützen und eure Getränke auf dem Platz kaufen. Doch die Veranstalter haben sich derart von der Szene gelöst und die Preise so weit in die Höhe getrieben, dass ich heute jeden verstehe, der sein Bier lieber von Zuhause mitbringt und sein Geld für eine der inoffiziellen Partys danach aufhebt.

Wir liessen denn auch die offizielle Pride-Party mit House und Hip-Hop links liegen und feierten bei geilem Techno "Super-Blutt" im Kauz eine richtig heisse Underground-Nacht.

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