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13.08.2013

BjoernSunshine

Schwulenhass und Ausländerhass

In einem extra Newsletter berichtete ich euch gestern von meinem Freiheits-Experiment, nackt an der Street Parade, von den unzähligen positiven Reaktionen aufgeschlossener, toleranter Leute aber auch von dem Angriff der Schwulenhasser dank denen mein Freund den Tag im Spital beenden musste.

Nach unserem subjektiven Empfinden war die Akzeptanz der Gays in Zürich vor einigen Jahren schon besser als heute. Und sehr häufig, wenn wir schwulenfeindliche Sprüche hören, hört man nicht Züridütsch sondern einen Osteuropäischen Akzent. Daraus zu schliessen, alle Osteuropäer seien schwulenfeindlich, ist natürlich falsch, und ich will keinesfalls zum Ausländerhass aufrufen, denn Hass führt nur zu noch mehr Hass. Wenn man jedoch auf die Landkarte schaut, welche Länder die Homoehe kennen und in welchen noch CSDs verboten oder Teilnehmer mit Steinen beworfen werden, ist ein gewisses Ost-West-Gefälle leider nicht wegzudiskutieren.

Ich will niemanden auf Grund seiner Nationalität verurteilen. Aber ich finde es legitim, in einem Land wie der Schweiz für Aufenthaltserlaubnis und Einbürgerung Bedingungen zu stellen, die sich nicht nur darauf beziehen, dass jemand die Nationalhymne kennt sondern vorallem, dass er hinter unserer Verfassung stehen kann und die Grundwerte unserer Gesellschaft wie Freiheit, Gleichberechtigung und Diskriminierungsschutz unterstützt.

12.08.2013

BjoernSunshine

Freedom under Attack

Nach den turbulenten Ereignissen an der Street Parade schulde ich euch ein Feedback:

Das Freedom-Experiment
Ich habe das Experiment gewagt und die Street Parade unter dem diesjährigen Motto "Dance for Freedom" grösstenteils NACKT abgetanzt. Dabei zeigte mir das 22-jährige Zürcher Stadtfest seine schönsten und seine hässlichsten Seiten. Aber der Reihe nach:

Im Gegensatz zu früheren Paraden mit aufwändig genähten Kostümen hatten wir dieses Jahr nichts als einen goldenen Schriftzug "FREEDOM" auf der Brust. Und trotzdem wollten fast alle von uns Fotos machen. Am Start der Parade kam sogar ein Fernsehteam von Tele Züri um mich zu interviewen, warum wir uns ausgerechnet das Wort FREIHEIT auf die Brust schreiben. Sind wir wirklich die Einzigen, denen dieses Wort so viel bedeutet?

Beim Bellevueplatz erlebten wir dann die erste Aggression. Hätte ich es als Warnung auffassen müssen? Ein junger Italiener brannte mir seine Zigi in den Rücken. Ich dachte zuerst an ein Versehen und reagierte nicht weiter. Dann folgte die verbale Pöbelei. Und als ich auch darauf auch nicht einging, schlug er meinem Freund die Faust ins Gesicht. Seine beiden Tussis im Gefolge keiften ihm Beifall. Da wir uns von ein paar besoffenen Teenies nicht den Tag verderben lassen wollten, ignorierten wir den Vorfall und machten ein paar Schritte vorwärts in die Menge.

Auf der Quaibrücke war die Stimmung wieder happy und ausgelassen, und ich wagte das Freiheits-Experiment ohne Badehose. Von nun an stand ich schwanzwedelnd im Mittelpunkt der Begeisterung und konnte erstmals nachvollziehen, wie sich Justin Bieber auf der Bühne vorkommen muss. Die Girls kreischten und jubilierten und ich musste Hunderte von Händen abklatschen und für unzählige Fotos posieren. Mit unseren besten Outfits hatten wir niemals so viel Erfolg wie mit einem nackten Pimmel. So tanzten wir denn völlig euphorisch die Parade entlang, umringt von einem Fanclub junger Girls und cooler Raver. Einmal im Leben ein Popstar sein! Wow war das geil!

Der Angriff
Vielleicht war ich etwas zu naiv, die Paraderoute zu verlassen, um - immer noch nackt - beim Getränkestand eine Cola zu holen. Aber nach so viel positivem Feedback hatte ich die Pöbelei vom Bellevue längst vergessen und sah die Welt nur noch durch die rosa Brille. Zuerst realisierte ich gar nicht, was los war, als von hinten Wasser spritze und der Lärmpegel anschwoll. Dann knallte eine Wasserflasche direkt vor mir auf die Bar und spritzte das halbe Personal nass. Ich war noch mit Zahlen beschäftigt, als von Hinten Bierdosen, Steine und Dreck geflogen kamen und die Schwulenhassparolen unüberhörbar wurden. Dann flog eine Bierflasche auf uns zu und traf nicht mich sondern ausgerechnet meinen Freund am Auge. Ich erkannte den Ernst der Lage erst, als ich ihn blutüberstömt einige Meter hinter mir stehen sah. Wir riefen laut nach Polizei, doch die feigen Angreifer hatten sich schon längst in der Menge verdrückt.

Hinter der Center Stage wurde erst mal die Blutung gestillt. Dann, während ich auf dem Weg zum Sanitätsposten noch nach Zeugen und Polizei suchte, wurden wir getrennt. Auf dem Posten sagte man mir nur, dass laufend Gewaltopfer in verschiedene Spitäler gebracht würden, an meinen Freund konnte sich jedoch niemand erinnern. Die Polizei hatte ihn auch nicht gesehen. Per Handy war niemand zu erreichen, nur besetzt, keiner da und Netz überlastet. Erst Stunden später erfuhr ich, dass er im Spital Uster mit sechs Stichen genäht wurde. Die Notaufnahmen der Zürcher Spitäler waren bereits überfüllt. Immerhin - sein Auge ist zum Glück heil geblieben.

Mad Max 4 - der nackte Rächer
Während ich noch überall nach meinem Freund suchte und niemanden erreichen konnte, schwankte mein Gemütszustand unkontrolliert zwischen Panik, Hilflosigkeit und Wut. Ich war wütend auf die Schwulenhasser, wütend darauf, dass solche Leute unseren Traum von Freedom, Tolerance und Respect zerstörten, wütend auf mich, weil wegen meinem leichtsinnigen Freiheits-Experiment mein Freund verletzt wurde. War ich zu weit gegangen? Ist Zürich doch noch nicht reif für echte Freiheit? Doch wo führt das hin, wenn wir uns immer weiter zurückziehen und unser Land ohne Gegenwehr der neuen Hasskultur überlassen?

Betäubt von chaotischen Gefühlen und allem was zu kriegen war, tauchte ich noch einmal nackt in die Masse, diesmal bewusst provokativ, in der Absicht, so die Schwulenhasser wieder zu finden und allein zur Strecke zu bringen. Quasi als schwuler Mad Max ohne Hose. Ich stand dermassen unter Strom und Adrenalin dass ich wahrscheinlich so dumm gewesen wäre, es mit einer ganzen Gruppe Schwulenhasser aufzunehmen, doch zum Glück fand ich sie nicht mehr. Mein Gegenschlag wär wohl mangels Tiefschutz und Kampferfahrung ziemlich in die Hose gegangen.

Was nun?
Was bleibt, ist ein blaues Auge und ein flaues Gefühl. War dieses Erlebnis ein Einzelfall oder ist der Geist der Street Parade bereits tot? Mein Freiheits-Nackt-Experiment hat gezeigt, dass 99% der Street Parade-Zürcher weltoffene, tolerante und freundliche Menschen sind. Aber ein Prozent Hass reicht aus, um Freude und Freiheit zu beenden. Über die ganze Parade erinnere ich mich an fünf Situationen, wo wir von Schwulenhassern angepöbelt wurden und nur an dreien davon war ich nackt. Es reicht heute auch schon, dass man schwul aussieht und seinen Freund umarmt.

Da waren wir in Zürich vor 10 Jahren punkto Toleranz und Akzeptanz schon weiter. Und punkto Nacktsein? Ist Toleranz hier wirklich zu viel verlangt? In London radeln am World Naked Bike Ride jedes Jahr 3000 Menschen nackt quer durch die Innenstadt, ohne abgesperrte Route, mitten im Verkehr. In Deutschland kann man an jedem Baggersee nackt baden. In Frankreich oder Spanien am Meer auch. In der Schweiz ist Nacktsein nicht verboten, aber weil einige Einwanderer aus Osteuropa antiquierte Moralvorstellungen mitgebracht haben, wurden z.B. am FKK-Platz Zürich Katzensee 3 Meter hohe Lattenzäune errichtet, hinter der man die gesetzliche Freiheit nun einkerkert.

In Russland, der Ukraine, in Arabischen und Osteuropäischen Ländern ist Schwulenhass heute weit verbreitet oder sogar wieder auf dem Vormarsch. Was tun wir dagegen? Wir passen uns brav an, krebsen zurück, kleiden uns unauffällig, verzichten auf Küsschen und Umarmung in der Öffentlichkeit, lassen uns freiwillig wieder ins Ghetto stecken. Doch nicht nur in der Öffentlichkeit, sogar an unseren eigenen Partys krebsen wir: Vor 10 Jahren hatte jeder Schwulenclub einen Darkroom und wenn es ein paar Jungs lieber vor dem Vorhang machten, fanden das alle geil. Heute haben fast alle Schwulenpartys Heteroregeln. Da kannst du legal nackt quer durch Zürich tanzen, aber an den meisten Schwulenpartys musst du dich anziehen. Folgt das Angebot nur der Nachfrage, und bin ich tatsächlich der Einzige, der hier etwas vermisst?

Einen Club gibt es in Zürich noch, mit gutem Sound, heissen Typen, freundlicher Security und einigen nackten Schwänzen: Club 696 an der Badenerstrasse 696. Nach dem turbulenten Tag verbrachten wir dort die Partynacht. Schwul, nackt und frei! Danke!

09.08.2013

BjoernSunshine

Schafft Zürich den Turnaround zur Gaymetropole?

Vor 10 Jahren standen noch jeden Samstag vor den Eingängen von Laby und Aera über 500 Schwule Schlange. Dann kamen Esther Maurer und GayRomeo. Die Polizeivorsteherin verscheuchte mit ihren Razzien und Darkroomschliessungen fast alle schwulen Touristen und lehrte uns Zürcher das Städtereisen. GayRomeo und Co holten alle Gays von den Partys weg, die mit Musik und Tanzen wenig am Hut hatten und eh nur kamen um einen Typ abzuschleppen. Der harte Kern der Partyszene tanzt noch immer gerne, allerdings sind alle älter geworden, müssen im Job Verantwortung tragen und können sich nur noch jeden zweiten oder dritten Samstag eine durchtanzte Nacht leisten.

Nach einer Zeit der völligen Partyflaute baute DJ Willi P mit der Family Affair im Club 696 wieder einen Treffpunkt für Freunde schwuler Progressive Trance Partys auf. Die Family Affair Partys fanden etwa einmal im Monat statt und konnten den Altstetter Club meistens gut füllen. Überraschend tauchte diesen Sommer auch die legendäre Männerparty SHAFT wieder auf und begeisterte mit zwei heissen Partynächten im gleichen Lokal. Der Club Ikarus an der Dammstrasse hatte nur wenige Wochen geöffnet, bevor er wieder geschlossen wurde. Erfolgreicher läuft der Club Heaven im Stadtzentrum, der sich jedoch mit einem Mix aus Charts und Hip-Hop nur an ein jüngeres Publikum wendet, ähnlich wie früher das T&M.

Wir alle, die wir die heissen Partys in Laby und Aera erlebt hatten, würden uns wünschen, dass es in Zürich wieder jeden Samstag eine gute Gayparty mit guten DJs, heissen Jungs und ausgelassener Stimmung gäbe. Nur kriegt man das wieder hin? Gute DJs hätte Zürich zu bieten. Die Generation der alten Labyraner jedoch reicht allein nicht mehr aus, um jeden Samstag einen Club zu füllen. Es braucht auch wieder Nachwuchs und Touristen.

In anderen Städten Europas, die keine Sexverbote und Darkroomschliessungen erlebten, hat sich die junge Gayszene nicht abgespalten und die Events sind viel besser durchmischt. Gelingt es wohl, die jungen Schweizer Gays für heisse, erotische Gaypartys mit Tec-House, Tribal und Progressive Trance zu begeistern? Für uns musste eine gute Party immer etwas nach Underground, Sex und Illegalität riechen. Kommerz war das grösste Schimpfwort, das man einem Veranstalter nachrufen konnte. Die Jungen von heute sind vom Kommerz vollständig assimiliert. Partys und Sex sind für sie grundsätzlich unterschiedliche Dinge. An Partys säuft man Vodka und fürs Ficken gibts das Internet. Nicht dass alle Jungen prüde wären. Aber sie sind halt gewohnt, nur das zu tun, was auf Facebook beworben wird, und dank der sexfeindlichen Facebook-Zensur merken sie gar nicht, was sie verpassen. Nur eins ist sicher: Wer die jungen Gays holen will, muss beim Werbeaufwand mit kommerziellen Grossveranstaltern mithalten können.

Die Touristen sind noch schwieriger zu kriegen. Eine Städtereise bucht man lange im Voraus. Und bis jetzt hat Zürich leider noch den Ruf, dass öfters mal Partys ausfallen, Clubs plötzlich schliessen und dann an einem Wochenende für Schwule gleich gar nichts mehr läuft. Bevor schwule Partytouristen wieder Städtetrips nach Zürich buchen, muss man sicher sein können, dass an jedem Wochenende garantiert eine gute Gayparty abgeht. Kontinuität ist gefragt.

Die dritte Unbekannte im Partypoker ist die Stadtpolizei. Jeder Organisator weiss, dass absolut drogenfreie Events eine Illusion sind. Man kann nur hoffen, dass das heute praktizierte Toleranzniveau von den Behörden goutiert wird und nicht wieder Gayclubs von Polizeipatrouillen belagert werden, bis aus Angst vor Schikanen sämtliche Gäste wegbleiben.

Fazit: Es ist nicht einfach, Zürich wieder den alten Glanz als Gaymetropole zurückzugeben. Wenn es klappen kann, dann nur wenn Veranstalter, DJs und Clubbesitzer an einem Strang ziehen.

08.08.2013

BjoernSunshine

Dance for Freedom!

So heisst das Motto der Zürcher Street Parade diesen Samstag. Tanz für Freiheit!

Und es ist bitter nötig, denn unsere Freiheit droht in unzähligen neuen Verboten und Vorschriften unterzugehen. Z.B. das Rauchverbot, das Nuttenverbot, das Tankstellenverkaufsverbot, das Cruising-im-Park-Verbot, das Hundefreilaufverbot, das Kopftuchverbot, das Appenzeller Nackt(wander)verbot, das Openairpartyverbot nach der Street Parade, das Sauna-nach-der-Mousse-Party-Verbot, das Sex-an-der-Gayparty-Verbot, das 2-Leute-auf-der-Toilette-Verbot, diverse kommunale Jugendausgangsverbote, Alkoholverbote, Rayonverbote... Jetzt will man sogar schon das Tragen von Kopfhörern im öffentlichen Raum verbieten. Jeder Politiker meint heute, sich mit einem neuen Verbot als Beschützer des Spiessertums profilieren zu müssen.

Hinzu kommen unzählige Vorschriften: Lautstärke, Hygiene, Security,... Um eine Party zu veranstalten braucht man bald einen Uni-Abschluss in Wirtschaftsrecht. So geile Events wie damals die Aera-Pool-Party oder die Laby-Schaumparty sind heute gar nicht mehr bewilligungsfähig oder wegen komplizierten Auflagen unbezahlbar.
Und hinzu kommt Überwachung auf Schritt und Tritt. Videokameras überall. Und immer härtere Strafen für Bagatelldelikte: Einmal im Tram das Ticket vergessen: Fr 100.-, einmal kurz über 96dB aufgedreht...

"Meine Freiheit hört dort auf, wo es andere stört"
Dieser schöne Slogan bestimmt heute die Zürcher Politik. Und er ist fatal! Denn egal was deine Freiheit ist, und wie viele Menschen du damit erfreust, irgendwo findet sich immer ein frustrierter Wutbürger, der sich daran stört.

Der Wutbürger ist ein neues Phänomen. Es ist der kleine Angestellte, der seit Jahren hart arbeitet aber nicht vorwärts kommt, der sieht, wie mit seinen Steuergeldern laufend Banken und Millionenvermögen gerettet werden, während er selbst nur Prämienerhöhungen, Rentenkürzungen und gelegentlich mal einen Strafzettel bekommt. Seine Kinder hören ihm nicht mehr zu, seine Frau sowieso nicht mehr. Sex? Das war einmal. Also loggt er sich im Internet ein, eröffnet ein Konto bei Facebook, schreibt ein paar nette Zeilen, aber keinen interessierts. Null Reaktion. Erst als er anfängt, über andere zu lästern, findet er endlich Beachtung und erntet Likes, Friends und Befriedigung...
Soziale Medien sind die Brutstätten der Wutbürger.


Mein Freiheits-Nackt-Test
Spätestens seit in Zürich die Darkrooms verboten wurden, tanze ich öfters nackt durch schwule Partys. Es ist ein fantastisches Freiheitsgefühl. Mein Pimmel steht voll drauf! Und abgesehen von einem religiösen Fanatiker auf der LD-Cruise 2012 und einigen engstirnigen Securitys, die Sicherheit mit Moral verwechseln, durchwegs nur positive Reaktionen. Man kann es noch so oft in Abrede stellen, aber es ist nun mal so, dass Schwule einfach gerne Schwänze gucken.

Jenseits der Wutbürger ist Nacktsein auch in der Heterowelt kein Problem. Ich war schon x-mal ohne Badehose im Zürisee, nackt auf dem Mountainbike oder auf einer Bergtour. Niemand kreischt, niemand beschwert sich. Die Touris in den Bergen finden's toll, wenn sie nach stundenlangem, vergeblichen Ausschau nach einem Steinbock doch noch endlich mal etwas sehen, was sie ihren Freunden daheim erzählen können.

In Madrid tanzte ich an der Gaypride nackt die Gran Via entlang. Die Gays und Girls waren hell begeistert.. Genauso am Pride Festival in Tel Aviv. Am City Beach hätte man sowas zwar noch nie gesehen, aber: "Voll easy, Tel Aviv ist anders als Israel, hier kannst du wirklich frei sein", sagte mir ein junger Israeli. Nackt in Berlin ist sowieso kein Problem. Ein Hetero zu mir im Berghain: "Ey Alter, Respekt Mann, lass baumeln!". Und eine Blondine in der Panoramabar: "Find ich toll. Kann ich mal anfassen?" Gestern war ich den ganzen Tag nackt im Büro. Als ich dem UPS-Boten die Päckli abnahm, hat der über beide Ohren gegrinst. Wenn die Sonne scheint, macht Freiheit Spass, und wer sieht nicht gerne fröhliche Menschen?

Samstag ist Street Parade: 25°C Sonnenschein. "Dance for Freedom". Welches Kostüm passt wohl am besten zum Motto?

Pimmelwarnung
Als ich letztes Jahr vor der Zurich Pride im Newsletter fragte: "Wer kommt nackt zum CSD?" versetzte ich die Organisatoren so in Panik, dass der Moderator präventiv von der Festivalbühne zu züchtiger Kleidung aufrufen musste. Ich denke mal, das Street Parade-OK kümmert ein schwuler Newsletter weniger. Also: "Wer kommt nackt zur Street Parade?". Die Wutbürger verlassen am Samstag ja eh alle die Stadt, und die Kids sind viel zu besoffen, um etwas zu merken.

Warum immer wieder das Nackt-Thema?
Na, weil es so wunderbar sinnnlos ist, ganz besonders in der Gayszene. Es gibt bald 4 Milliarden menschliche Pimmel auf dieser Welt. Fast jeder zweite hat einen. Fast jeder 10-Jährige hat heute ein Smartphone. Die Hälfte der 12-Jährigen gibt zu, schon Pornos gesehen zu haben (die andere Hälfte hat keine Flatrate), und spätestens jeder 14-Jährige weiss, dass es enorm Spass macht, an seinem Ding rum zu spielen. Dass der Anblick eines nackten Pimmels einen Menschen heute noch schockieren kann, ist mindestens so abwegig und abergläubisch wie Zeitungshoroskope oder pulverisiertes Nashorn als Potenzmittel. Im Schweizer Strafgesetz wurden die Moralartikel deshalb schon vor 20 Jahren gekippt. Nackt sein ist (ausser im Mittelalter-Kanton Appenzell) völlig legal.

Doch obwohl alle Schwulen eigentlich auf Schwänze stehen (und übrigens auch recht viele Frauen - sowas nennt man "Heterosexuelle") bezahlen noch immer viele schwule Partyveranstalter Securityfirmen nicht etwa dafür, uns Gays zu beschützen (wann gab es je eine Prügelei in einem Gayclub?), sondern um uns den Spass zu verderben (Nicht nackt sein, nicht fummeln, nicht blasen, nicht, nicht, nein, nein...). - "Nein, keine Beschwerde, aber ES KÖNNTE SEIN, dass es jemanden stört", heisst es jeweils, wenn man nach einer Zurechtweisung nochmal nachfragt.

Wohlgemerkt: Das Gesetz verbietet keine nackten Jungs. Die Clubs und Veranstalter machen die Securityregeln.

Wenn sich an einer Gayparty schon jemand an geilen Typen mit grossen Schwänzen stören könnte, dann könnte sich vielleicht auch jemand an Stöckelschuhen und Perrücken stören. Sollten wir nicht deshalb präventiv alle Drag Queens rausschmeissen? Oder vielleicht stört sich jemand an Madonna. Sollte die Security deshalb nicht präventiv alle Plattenkoffer der DJs zensurieren? Oder es stört jemanden, wenn einer rülpst. Drum präventiv nur noch abgestandenes Bier und lauwarmes Cola ohne Kohlensäure, dazu Radiopop in Zimmerlautstärke, blendfreies indirektes Licht, graue Einheits-Burkas, Filzpantoffeln und ein Kärtchen mit politisch korrekter, jugendfreier Konversation in 4 Landessprachen.

Wie weit lasst ihr euch noch bevormunden, bevor ihr für eure Freiheit auf die Strasse geht?

Nach vielen Jahren als Schwulenaktivist und Nackttänzer kann ich euch sagen: Der Unterschied zwischen Badehose und keine Hose sind nicht nur 200g Stoff, sondern der Unterschied zwischen schikanöser Repression und natürlicher Freiheit. Nackt kann ich frei sein, wie ich von Natur aus bin - unter Kleiderzwang beuge ich mich einer Moral, die keinem anderen logisch erkennbaren Zweck dient, als der Einschränkung der persönlichen Freiheit und gesellschaftlichen Vielfalt, womöglich aus Neid und Missgunst, religiösem Fundamentalismus oder gar als Vorstufe zur Einführung der Scharia?!

...Natürlich gibt es da noch die Frage des guten Geschmacks. Wer seinen Körper vergammeln lässt, muss sich vielleicht nicht gleich nackt ins Steakhouse setzen. Vonwegen Gammelfleischskandal. Ich meine, wer gern nackt rumläuft, sollte auch ein Bisschen auf seine Figur achten. Andererseits gibt auch täglich Leute im Tram mit hässlichen Kleidern, und solche, deren Gesichter noch viel runzliger sind als mein Pimmel nach 3x Abspritzen, und die lässt man auch ohne Sack über dem Kopf rumlaufen.

...Und die Frage des Mottos. An einer White-Party kommt man einfach nicht in Schwarz und an einer Gummiparty fickt man nicht nackt ohne Gummi. Ich würde auch nie nackt an einen Kostümball oder einen steifen VIP-Anlass gehen, oder zumindest nicht ohne einen Steifen ;-)
Vielfalt bereichert unser Leben

Wir trugen einst voller Stolz als Gayflag den Regenbogen. Damals waren unsere Partys so genial, weil eben alles möglich und nichts vorgeschrieben war. Ich finde, wir sollten dringend das Grau aus der Fahne waschen, uns wieder an allen 6 Farben erfreuen und allen Farbigen die Freiheit gewähren, ihre eigene Farbe zu leben. Gibt es nicht schon genug graue Autos auf den Schweizer Strassen und graue Mäuse überall? Wehrt euch gegen die fortschreitende Verbotitis und all die bevormundenden Behördenschikanen. Und wenn ihr selbst eine Gayparty organisiert, dann tut bitte nicht noch pingeliger als das Gesetz schon ist, freut euch über die bunten Vögel, und bringt euren Wachhunden bei, dass ein bisschen schwuler Sex einfach zu einer richtigen schwulen Party gehört. (Amen).

Freiheit fühlt sich geil an. Aber um Freiheit zu erleben muss man auch bereit sein, andern Freiheit zu gewähren.

Dance with us into Freedom (just naked or wearing any colour you like)!

 

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