BjoernSunshine
Schafft Zürich den Turnaround zur Gaymetropole?
Vor 10 Jahren standen noch jeden Samstag vor den Eingängen von Laby und Aera über 500 Schwule Schlange. Dann kamen Esther Maurer und GayRomeo. Die Polizeivorsteherin verscheuchte mit ihren Razzien und Darkroomschliessungen fast alle schwulen Touristen und lehrte uns Zürcher das Städtereisen. GayRomeo und Co holten alle Gays von den Partys weg, die mit Musik und Tanzen wenig am Hut hatten und eh nur kamen um einen Typ abzuschleppen. Der harte Kern der Partyszene tanzt noch immer gerne, allerdings sind alle älter geworden, müssen im Job Verantwortung tragen und können sich nur noch jeden zweiten oder dritten Samstag eine durchtanzte Nacht leisten.
Nach einer Zeit der völligen Partyflaute baute DJ Willi P mit der Family Affair im Club 696 wieder einen Treffpunkt für Freunde schwuler Progressive Trance Partys auf. Die Family Affair Partys fanden etwa einmal im Monat statt und konnten den Altstetter Club meistens gut füllen. Überraschend tauchte diesen Sommer auch die legendäre Männerparty SHAFT wieder auf und begeisterte mit zwei heissen Partynächten im gleichen Lokal. Der Club Ikarus an der Dammstrasse hatte nur wenige Wochen geöffnet, bevor er wieder geschlossen wurde. Erfolgreicher läuft der Club Heaven im Stadtzentrum, der sich jedoch mit einem Mix aus Charts und Hip-Hop nur an ein jüngeres Publikum wendet, ähnlich wie früher das T&M.
Wir alle, die wir die heissen Partys in Laby und Aera erlebt hatten, würden uns wünschen, dass es in Zürich wieder jeden Samstag eine gute Gayparty mit guten DJs, heissen Jungs und ausgelassener Stimmung gäbe. Nur kriegt man das wieder hin? Gute DJs hätte Zürich zu bieten. Die Generation der alten Labyraner jedoch reicht allein nicht mehr aus, um jeden Samstag einen Club zu füllen. Es braucht auch wieder Nachwuchs und Touristen.
In anderen Städten Europas, die keine Sexverbote und Darkroomschliessungen erlebten, hat sich die junge Gayszene nicht abgespalten und die Events sind viel besser durchmischt. Gelingt es wohl, die jungen Schweizer Gays für heisse, erotische Gaypartys mit Tec-House, Tribal und Progressive Trance zu begeistern? Für uns musste eine gute Party immer etwas nach Underground, Sex und Illegalität riechen. Kommerz war das grösste Schimpfwort, das man einem Veranstalter nachrufen konnte. Die Jungen von heute sind vom Kommerz vollständig assimiliert. Partys und Sex sind für sie grundsätzlich unterschiedliche Dinge. An Partys säuft man Vodka und fürs Ficken gibts das Internet. Nicht dass alle Jungen prüde wären. Aber sie sind halt gewohnt, nur das zu tun, was auf Facebook beworben wird, und dank der sexfeindlichen Facebook-Zensur merken sie gar nicht, was sie verpassen. Nur eins ist sicher: Wer die jungen Gays holen will, muss beim Werbeaufwand mit kommerziellen Grossveranstaltern mithalten können.
Die Touristen sind noch schwieriger zu kriegen. Eine Städtereise bucht man lange im Voraus. Und bis jetzt hat Zürich leider noch den Ruf, dass öfters mal Partys ausfallen, Clubs plötzlich schliessen und dann an einem Wochenende für Schwule gleich gar nichts mehr läuft. Bevor schwule Partytouristen wieder Städtetrips nach Zürich buchen, muss man sicher sein können, dass an jedem Wochenende garantiert eine gute Gayparty abgeht. Kontinuität ist gefragt.
Die dritte Unbekannte im Partypoker ist die Stadtpolizei. Jeder Organisator weiss, dass absolut drogenfreie Events eine Illusion sind. Man kann nur hoffen, dass das heute praktizierte Toleranzniveau von den Behörden goutiert wird und nicht wieder Gayclubs von Polizeipatrouillen belagert werden, bis aus Angst vor Schikanen sämtliche Gäste wegbleiben.
Fazit: Es ist nicht einfach, Zürich wieder den alten Glanz als Gaymetropole zurückzugeben. Wenn es klappen kann, dann nur wenn Veranstalter, DJs und Clubbesitzer an einem Strang ziehen.





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